KirchentagsSonntag
Mut-Ort Kletterhalle
sru/Dekanat
17.02.2025
sru
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Die Beinprothese liegt auf dem Boden. Julian klettert einbeinig die Kletterwand hinauf und ist in Nullkommanichts oben. Julian ist noch nicht mal ein Jahr dabei. Er macht jeden Tag Sport und ist auch in einer Skifahrer-Leistungsgruppe für die Paralympics. Links und rechts von Julian klettern Vally und Tabea. Kinder, junge und ältere Menschen sind zu diesem besonderen Gottesdienst in die Kletterhalle nach Groß-Zimmern gekommen und feuern die jungen Leute an der Kletterwand laut klatschend und johlend an. Tabea, Julian und Vally sind trotz eines Handicaps beim Deutschen Alpenverein, Sektion Darmstadt-Starkenburg aktiv; die Kletterabteilung arbeitet inklusiv und wird von Dorothee North und Jürgen Zachmann geleitet.
„Mutig – stark – beherzt“ ist die Losung des diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentags (1. Korinther 16, 13-14), der Anfang Mai in Hannover stattfindet. Der Gottesdienst zum KirchentagsSonntag am vergangenen Sonntag – organisiert von der Evangelischen Jugend im Dekanat Vorderer Odenwald, machte dieses Motto ganz unmittelbar erlebbar. „Kirchentag heißt, aufbrechen an einen unbekannten Ort, Neues wagen, Kirche an Orten erleben, die man nicht unmittelbar mit Kirche in Verbindung bringt“, sagten Julia Lutz und Nina Grabert in ihrer Begrüßung. Adina Reichert las – passend zum Thema – die Bibelgeschichte vom barmherzigen Samariter.
Gefeiert wurde also nicht in einer Kirche, sondern in der Kletterhalle des Turnvereins 1863 in Groß-Zimmern – ohne Orgel, dafür mit den DJs Hannes Hergenröther und Leon Braun von HL-Events aus Groß-Zimmern sowie mit Live-Musik von Ilka Staudt. Ohne Kirchenbänke, dafür auf Liegestühlen, Klappstühlen, den Papphockern des Kirchentags, auf dem Boden und im Stehen, weil die Sitzplätze nicht ausreichten.
An der Kletterwand mutig geworden, stark durch andere
„Ich würde schon sagen, dass ich an der Kletterwand gelernt habe, mutig zu sein – man braucht viel Vertrauen“, sagt Julian. „Am meisten Mut braucht man beim Sichern – man begibt sich in die Hände der Kletterpartner“, beschreibt es Tabea.
„Stark ist man durch andere Menschen“, findet Notfallseelsorger Marius Hürtgen. Anderen Menschen zu helfen ist für ihn „christlich“. Er erinnert an die Aussage, dass Christus keine Hände habe – und es an den Menschen liege, hier auf Erden etwas zu tun. Im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald hat Marius Hürtgen sich lange ehrenamtlich in der Evangelischen Jugend engagiert und unter anderem Freizeiten geleitet. Nun setzt er sich in der Notfallseelsorge ein.
Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, war ganz angetan von dem ungewöhnlichen Gottesdienstort Sie nahm sich des Wörtchens „beherzt“ an und erinnerte an den 1. Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth, mehr als 2000 Jahre alt, in dem Paulus der noch jungen Gemeinde riet: „Lebt euren Glauben und verändert die Welt.“ Für Ulrike Scherf ins Heute übertragen: „Werdet Mut-Botschafter!“ Die Kletterhalle sei für sie ein „Mut-Ort“, denn man müsse fokussiert sein beim Klettern, brauche Vertrauen, auch Gottvertrauen, und man löse gemeinsam Schwierigkeiten. Und was bedeutet der Kirchentag für sie? „Dort werden mutig Themen angegangen und Stellungnahmen abgegeben, man kann sich dort von der Gemeinschaft stärken lassen, um dann beherzt in den Alltag zurückzukehren.“
Nach den Fürbitten dankte die Dekanatsjugendreferentin Manuela Bodensohn dem Turnverein Groß-Zimmern, dass er sich darauf eingelassen habe, die Kletterhalle für einen Gottesdienst zur Verfügung zu stellen. Sie dankte den Gästen, die so zahlreich gekommen waren, und allen Beteiligten. Mit einem Segen des Groß-Zimmerner Pfarrers Michael Fornoff endete der Gottesdienst. Im Anschluss konnte, wer wollte, sich selbst einmal an der Kletterwand ausprobieren.
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