Reichspogromnacht: Gedenken am 9. November

veröffentlicht 04.11.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald erinnern an die Reichspogromnacht – mit Stationenwegen, szenischen Lesungen, einer erweiterten Gedenktafel und der Ausstellung „Einige waren Nachbarn…“.

Bei den antisemitischen Exzessen der Nationalsozialisten wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Synagogen in Brand gesteckt und zerstört, jüdische Geschäfte zertrümmert und geplündert. Jüdische Menschen starben, wurden beschimpft, verprügelt, durch die Straßen gehetzt und vergewaltigt. Im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald wird am Montag, 9. November, an verschiedenen Orten der Reichspogromnacht gedacht. 

Gedenken und Rundgang in Babenhausen 
In Babenhausen, Sickenhofen und Langstadt erinnern über 50 Stolpersteine an das Schicksal der Babenhäuser Jüdinnen und Juden. Nur wenigen gelang die Flucht vor der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Vielen wurde hier Gewalt und Unrecht angetan; sie wurden deportiert und ermordet. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Babenhausen und Schaafheim lädt ein, ihrer am Montag, 9. November, zu gedenken. Erstmals werden auch die acht in Sickenhofen verlegten Stolpersteine sowie die jüdische Synagoge in Hergershausen miteinbezogen. An der Gedenkveranstaltung wirken mit: Konfirmandinnen und Konfirmanden, Bürgermeister Dominik Stadler, der Heimat- und Geschichtsverein, das Büro für Erinnerungskultur sowie Pfarrerin Andrea Rudersdorf und Pfarrer Ulrich Möbus. 

Beginn ist um 17 Uhr am Mahnmal auf der Bleiche, von hier aus geht es zu verschiedenen Stationen – unter anderem zu den Stolpersteinen und dem Gedenkband der jüdischen Synagoge in der Amtsgasse. Abschluss wird an der Mahntafel auf Marktplatz sein. 

Stationenrundgang mit szenischen Lesungen in Groß-Umstadt
Am Montag, 9. November, um 18 Uhr laden der Runde Tisch Jüdisches Leben in Kooperation mit der Stadt Groß-Umstadt und weiteren Partnern zu einer mahnenden Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht am 9. November 1938 ein. Die Veranstaltung startet um 18 Uhr am Mahnmal am Darmstädter Schloss und führt anschließend als Rundgang zu verschiedenen Stationen in der Innenstadt.

Gedenkveranstaltung und Rundgang durch Lengfeld 
Am Montag, 9. November, laden die evangelische und katholische Kirche gemeinsam mit der Gemeinde Otzberg und der Otzbergschule zu einer Gedenkveranstaltung ein. Gemeinsam wird an die im Nationalsozialismus deportierten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnert. Die Gedenkfeier beginnt um 18.30 Uhr in der evangelischen Kirche in Lengfeld. Gestaltet wird sie von Pfarrerin Karin Schmid, Pater Biju, Bürgermeister Matthias Weber und der Otzbergschule. Birgit Terk (Klarinette) und Eleonore Büchler (Klavier) begleiten die Feier musikalisch. Es schließt sich ein Spaziergang zu den beiden Orten jüdischen Lebens im Ort an – zur ehemaligen Synagoge und der Mikwe. Dort gibt Ortsvorsteher Steffen Grimm jeweils kurze Einblicke und Informationen. Der gemeinsame Weg endet am Mahnmal mit einem stillen Gedenken.

Enthüllung einer Gedenktafel in Münster
Die Evangelische Jugend Münster lädt zusammen mit der AG Stolpersteine ein zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Novemberpogrome 1938.  Am Montag, 9. November, 18 Uhr, wird am Storchenschulhaus in Münster, Frankfurter Straße, die überarbeitete und um bisher fehlende Namen von ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ergänzte Gedenktafel enthüllt. Die Gestaltung der Gedenkveranstaltung liegt in der Hand der Evangelischen Jugend, auf deren Initiative hin die Gedenktafel einst erstellt und angebracht wurde. 

Aufgrund der Recherchen der AG Stolpersteine konnten im April 2025 insgesamt 21 Steine gegen das Vergessen, die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig, in Altheim und Münster verlegt werden. Die bei der Erstanbringung der Gedenktafel noch fehlenden Namen ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden jetzt bei der Überarbeitung der Tafel ergänzt. Die neu gestaltete Tafel wird an diesem Abend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Teilnehmenden werden gebeten, zum Zeichen der Erinnerung Kerzen vor der Tafel niederzulegen. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung am Storchenschulhaus lädt die Evangelische Jugend zu einer Andacht in der Martinskirche ein.

Schweigekreis und Ausstellung „Einige waren Nachbarn“ in Reichelsheim
In Reichelsheim treffen sich am Montag, 9. November, Bürger und Bürgerinnen an der Gedenktafel in der Bismarckstraße, um den Opfern der Pogromnacht am 9. November 1938 zu gedenken. Anschließend wird in der Evangelischen Michaelskirche die Ausstellung „Einige waren Nachbarn…“ mit Wortbeiträgen, jiddischen Liedern und Klezmer Musik eröffnet. Die Ausstellung „Einige waren Nachbarn…“ kann von Dienstag, 10., bis Dienstag, 17. November, von 14 bis 16 Uhr besucht werden. Sie erzählt die persönlichen Geschichten von Menschen während des Nationalsozialismus. Durch die Ausstellung werden Besucher angeregt, einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen. 

Konzipiert wurde die Ausstellung vom United States Holocaust Memorial Museum, zur Verfügung gestellt durch die Gedenkstätte KZ Osthofen, gefördert durch „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.