Pfarrer Dirk Michael Gütgemann (59) wird der neue Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald. Die Dekanatssynode hat ihn am Freitagabend mit klarer Mehrheit gewählt. Er habe sich bewusst für die Aufgabe im ländlichen Raum entschieden, weil man dort näher an den Menschen sei und es ein größeres Miteinander gebe, sagte er in seiner Vorstellungsrede bei der Tagung in der Stadthalle in Groß-Umstadt.
Gütgemann wurde in Kassel geboren und ist dort aufgewachsen. Nach Verwaltungsausbildung und -studium sowie mehrjähriger Tätigkeit in leitender Funktion entschied er sich mitten im Berufsleben für einen neuen Weg – und studierte Theologie in Marburg, nachdem er von Jugend an ehrenamtlich in der Kirche tätig war. 2012 wurde Gütgemann in Kassel ordiniert. 2020 wechselte er in die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), wo er aktuell noch Pfarrer in Wartenberg im Dekanat Vogelsberg ist und dort auch Mitglied im Leitungsgremium, dem Dekanatssynodalvorstand.
Neben der theologischen Arbeit prägen ihn seine Verwaltungserfahrung und seine Freude am Gestalten besonders neuer Gottesdienstformate. In seiner Vorstellungsrede und der anschließenden Fragerunde bracht er zum Ausdruck, dass ihm Teamarbeit ein Herzensanliegen ist, genauso wie eine Kirche, die Hoffnung gibt und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. „Kirche der Zukunft bedeutet für mich nicht nur volle Bänke, sondern Resonanz; dass Menschen erzählen, wiederkommen wollen und Kirche als stärkenden Teil ihres Lebens entdecken“, sagte Gütgemann.
Der 59-Jährige ist verheiratet mit einer Pfarrerin, Kerstin Gütgemann. Als Patchworkfamilie haben sie zusammen drei erwachsene Kinder und einen spanischen Wasserhund. Gütgemann wird aller Voraussicht nach spätestens am 1. Juli das Amt des Dekans im Vorderer Odenwald antreten.
Bilder von der Synode gibt es hier
Standing Ovations für Joachim Meyer und Rainer Volkmar
Dekan Joachim Meyer, der zurzeit dienstälteste Dekan der EKHN und seit 1998 im Amt, geht im Mai nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand. Der passionierte Hobbyläufer übergab auf der Tagung einen roten Staffelstab an seinen Nachfolger. Für ihn und für Rainer Volkmar – seit 1999 Dekanatsjugendreferent, er geht Ende März in den Ruhestand – war es die letzte Synode. Vor Beginn der eigentlichen Tagung wurden die beiden von Präses Ulrike Laux und Pfarrerin und stellvertretender Dekanin Evelyn Bachler gewürdigt und verabschiedet.
Sein Anliegen sei immer gewesen, Brücken zu bauen, sagte Joachim Meyer. Er bedankte sich bei Wegbegleiter*innen und Kolleg*innen mit dem Hinweis, dass „Dekan und Danke aus den gleichen Buchstaben besteht“. Dekanatsjugendreferent Rainer Volkmar betonte in seinen Abschiedsworten, dass seine Arbeit immer „von einem großen Wir“ geprägt gewesen sei. „Ich habe ein Dekanat erlebt, das sich durch eine besondere Kultur des Miteinanders, der gegenseitigen Bestärkung und des Vertrauens untereinander auszeichnet.“ Ein großes Danke ging auch an die Synodalen und deren offene und einladende Art, Jugendlichen und jungen Erwachsenen anerkennend zu begegnen und sie in kirchliche Entscheidungsprozesse einzubinden.
Synodale, Kolleginnen und Kollegen und die vielen Gäste demonstrierten ihre Wertschätzung für Joachim Meyer und Rainer Volkmar mit Standing Ovations.
Es gab noch weitere Abstimmungen: Stephanie Dreieicher wurde mit großer Mehrheit in den Dekanatssynodalvorstand gewählt. Sie ist die erste Gemeindepädagogin, die nun dem Leitungsgremium des Dekanats angehört. Des Weiteren wurden zwei Anträge an die Landessynode verabschiedet.
Der Groß-Umstädter Bürgermeister René Kirch dankte in seinem Grußwort zu Beginn der Tagung dem scheidenden Dekan Joachim Meyer im Namen aller Bürgermeister und Bürgermeisterinnen des Landkreises für die stets gute Zusammenarbeit. In seiner Andacht befasste sich Pfarrer Christian Lechelt (Groß-Umstadt) mit dem Vertrauen in die neuen Wege; musikalisch begleitet wurde er von Dekanatskantor Helge Metzner.
Stichwort: Synode
Die Synode ist das regionale Kirchenparlament des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald. Es besteht aus 76 Personen und vertritt 40 Kirchengemeinden mit knapp 45.000 Mitgliedern zwischen Babenhausen und Reichelsheim.