Vieles hat Marie Engelmann in dieser Zeit zum ersten Mal gemacht und souverän gemeistert: Sie hat zum Beispiel eine Canva-Schulung abgehalten und dabei wildfremden Menschen die Anwendung des webbasierten Grafikdesign-Programms erklärt und Fragen beantwortet. Sie war an der Schulung für die Jugendleitercard (Juleica) maßgeblich beteiligt, hat die Kinderbibelwoche in der Kirchengemeinde Lichtenberger Land begleitet, war im Vorbereitungsteam für das Veranstaltungsformat „Rock the Church“, das es als Queen-Gottesdienst für Erwachsene zum ersten Mal in dieser Form gab. Sie hat einen Hörspiel-Workshop mit angeleitet, war bei Radio Wein-Welle im Einsatz und auf dem Jugendkirchentag, hat bei der Arbeit mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte unterstützt. Jetzt begleitet sie noch die Jugendfreizeit nach Kroatien und dann ist auch schon fast Schluss. „Man kann über sich hinauswachsen“, resümiert Marie Engelmann das Freiwilligenjahr, das mit begleitenden Bildungs- und Seminartagen bei der Diakonie Hessen angedockt ist.
Für die 20-Jährige war es eine spannende Zeit. Die Kirche ist im Umbruch, das Dekanat durch den Strukturreformprozess „ekhn2030“ und personelle Veränderungen nicht minder. Zu ihrer Einsatzstelle kam die junge Frau, die mit ihrer Mutter in Erlenbach am Main wohnt und noch keinen Führerschein hat, mit dem ÖPNV. „Das ist es mir wert.“
Geboren wurde Marie Engelmann in Rotenburg an der Fulda. Als sie fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Groß-Umstadt. Die Mutter achtete darauf, dass die beiden Töchter evangelische Bildung bekamen. Marie war seit ihrer Konfirmation in der evangelischen Jugendarbeit in Groß-Umstadt tätig – als Teamerin für Konfi-Gruppen und bei Konfi-Fahrten, im Kinder- und später im Jugendgottesdienstteam – und betreute außerdem Kinder in einer Inklusionssportgruppe beim TV 1878 Groß-Umstadt. Später stieß Marie Engelmann zur Dekanatsjugend, war im Jugendvorstand und im SichtBar-Team. SichtBar, so nennt sich das mobile Jugendprojekt mit dem grasgrünen Anhänger, mit dem die Evangelische Jugend die Region bespielt und bei Großevents wie dem Jugendkirchentag dabei ist. „Es ist doch nochmal schöner, auf Dekanatsebene mitzumischen – in einer größeren Gemeinschaft.“
Die Kraft der Gemeinschaft
Marie Engelmann mag die Gemeinschaft, die Kraft, die entsteht, wenn viele Menschen zusammen und durch den Glauben miteinander verbunden sind. Als es im Religionsunterricht in der Schule einmal um Gottesbilder ging, hat Marie ein Bild vom Jugendkirchentag herausgesucht, auf dem viele Jugendliche mit Kerzen in der Hand Taizé-Lieder singen. Sie erinnert sich noch gut an das Gänsehautgefühl und das Kribbeln im Bauch.
Das freiwillige Jahr im Dekanat nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium sei eine spontane Bauchentscheidung gewesen. Bereut hat sie es nicht. Im Gegenteil: „Ich fühle mich wohl und habe den Eindruck, dass mir im Dekanat alle auf Augenhöhe begegnen“, sagt Marie Engelmann. „Das Kollegium ist auch zwischenmenschlich toll.“ Feste Arbeitszeiten gibt es oft nicht, dafür Einsätze am Abend und am Wochenende – so hat die 20-Jährige gelernt, sich die Zeit einzuteilen, zu priorisieren und Verantwortung zu übernehmen. „Ich konnte mich ausprobieren und hatte die Sicherheit, dass es ein Backup gab.“ Ein Highlight ist der Podcast „Amen and out – Glaub mal drüber nach“, den sie zusammen mit Malte Hofmann und Tim Wendeberg seit Februar einmal im Monat herausbringt – immer am letzten Sonntag im Monat auf Spotify und Instagram. „Es gibt so viele Bereiche, in denen Kirche mitwirkt oder die es in der Kirche gibt. Das wollen wir zeigen“, sagt Marie Engelmann.
Privat tanzt sie Hip-Hop und liest gerne, zum Beispiel die Thriller von Sebastian Fitzek, ist gerne kreativ und geht begeistert auf Festivals. Aktuell hat sich Marie Engelmann für verschiedene Studiengänge beworben – Erziehungswissenschaften, Wirtschaftspsychologie und Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung. Was bedeutet ihr der Glaube? „Glaube ist für mich ein innerer Antrieb, das Wissen, ich bin nicht alleine, auch wenn es mir schlecht geht, und ein Ort der Ruhe – Gott nimmt mich so, wie ich bin.“
Wer Interesse an einem Freiwilligen Sozialen Jahr 2027/28 im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald hat, wendet sich an Dekanatsjugendreferentin Manuela Bodensohn, E-Mail: manuela.bodensohn(at)ekhn.de. Der Platz für das kommende Jahr ist bereits besetzt.