„Betroffenheit und Verständnis“, so fasst Evelyn Bachler, stellvertretende Dekanin und Vorsitzende des Trägervorstands der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft der Kindertagesstätten (GüT) im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald, die Reaktionen auf das anstehende Aus für die Kita Kleine Arche in Richen zusammen. Derzeit führen Evelyn Bachler und GüT-Geschäftsführerin Angelika Fietz viele Gespräche, etwa mit allen Kita-Leitungen in Groß-Umstadt und mit den Elternbeiräten.
Die Zeit drängt, denn in Kürze werden die Plätze für das neue Kindergarten-Jahr vergeben. „Die Schließung der Kita Richen zum Jahresende 2026 hat Auswirkungen auf alle Kindertagesstätten in Groß-Umstadt“, sagt Evelyn Bachler. Bei der Schließung der Kleinen Arche zum Jahresende ohne Ersatzgebäude müssten die Kinder auf die bestehenden Einrichtungen verteilt werden. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, müsste das Vergabeverfahren entsprechend angepasst werden.
„Deshalb erarbeitet die GüT gerade verschiedene Szenarien.“ Diese dienen als Vorlage für das Gespräch mit der Stadt Groß-Umstadt am 5. Februar. „Unser Ziel ist, zusammen mit der Stadt eine gute Lösung für Kinder, Eltern und Beschäftigte zu finden und die Trägerschaft weiterzuführen.“
Verschiedene Szenarien denkbar
Denkbar wäre zum Beispiel der Weiterbetrieb der Kita mittels Container als Übergangslösung mit der Perspektive eines Neubaus durch die Stadt, möglicherweise aber auch durch die evangelische Kirche – „dies aber unter der Voraussetzung eines langfristigen Mietvertrages und eines auskömmlichen Mietzinses“, so Evelyn Bachler. Vor kurzem gab es hierzu ein Gespräch mit dem Leiter der Zentralen Pfarreivermögensverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die in Gießen bereits ein solches Projekt realisiert hat und derzeit zwei weitere plant. Für Evelyn Bachler ist dies die bevorzugte Lösung, aber es gibt offene Fragen. Zum Beispiel: Wie entwickelt sich die Kita-Landschaft in Groß-Umstadt bis 2029/2030 weiter? Was passiert mit dem Gelände in Richen, wenn die Ernst-Reuter-Schule an anderer Stelle einen Neubau erhält?
In der Kita Kleine Arche sind zurzeit 54 Kinder untergebracht. 17 Beschäftigte arbeiten in Teil- und Vollzeit. „Deren rechtliche Situation klären wir gerade – mit dem Fokus darauf, dass sie in der GüT beschäftigt bleiben“, sagt Evelyn Bachler.
Die Kirchengemeinde hat vor mehr als 51 Jahren die Kita Kleine Arche auf dem gemeindeeigenen Gelände der Dresdner Straße in Richen gegründet und viel Eigenleistung und eigene Mittel einfließen lassen. Dort befindet sich auch das evangelische Gemeindehaus, das mit der Kita baulich verbunden ist. Die Stadt konnte das Gebäude in Richen die ganzen Jahre über mietfrei nutzen und zahlte lediglich einen Betriebskostenzuschuss. Durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz oder Kindergartenplatz sind die Kommunen in der Pflicht, diese bereitzustellen.
Seit Jahren ist bekannt, dass sich die Kita Kleine Arche in einem sehr schlechten baulichen Zustand befindet. Ein städtischer Neubau in der St. Péray-Straße sollte Abhilfe schaffen. Dort hätte auch die evangelische Kita Kinderzeit einziehen sollen. Doch das Stadtparlament hat in seiner Sitzung im November 2025 entschieden, keine Mittel für den Neubau im Haushalt 2026 einzustellen. Der Trägervorstand der GüT zog die Notbremse und kündigte den Betriebsvertrag für die Kleine Arche – auch, um das Dekanat Vorderer Odenwald und die Kirchengemeinde Richen vor finanziellen Risiken zu schützen.
Im Stadtgebiet Groß-Umstadt sind sechs Kindertagesstätten in evangelischer Trägerschaft, drei davon sind in kircheneigenen Gebäuden untergebracht – die Kleine Arche in Richen, die Kinderzeit in Groß-Umstadt und die Kinderinsel in Klein-Umstadt.
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