Bauen wir Kirche oder Mauern?

veröffentlicht 17.08.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

In Spachbrücken gab es am Wochenende ein Jubiläum: 500 Jahre evangelisch-lutherische Kirche. Das wurde zusammen mit dem Pfarrbergfest im lauschigen Garten der Gemeinde gefeiert. Dekan Michael Gütgemann hielt die Festpredigt.

Das diesjährige Pfarrbergfest in Spachbrücken war zugleich ein Anlass zu einer größeren Feier: Vor 500 Jahren wurde die Kirchengemeinde evangelisch-lutherisch, vermutlich 1526 wurde hier laut Spachbrücker Heimatbuch die Reformation eingeführt. Gerade einmal neun Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosstür in Wittenberg geschlagen haben soll und der Protestantismus zur neuen Lehre wurde. Entscheidend dafür, welche Orte und Landesteile sich der neuen Lehre anschlossen, war, wie sich die jeweiligen Territorialherren dazu stellten. Landgraf Philipp I. von Hessen (1504–1567), genannt der Großmütige, gilt als einer der wichtigsten politischen Anführer und Wegbereiter der protestantischen Reformation und wandte sich der Reformation schon recht früh zu. 

Bis Ende vergangenen Jahres nannte sich die Kirchengemeinde „Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Spachbrücken“. Seit 1. Januar 2026 hat sich Spachbrücken zusammen mit sechs weiteren vormals eigenständigen Gemeinden zur Evangelischen Kirchengemeinde Lichtenberger Land zusammengeschlossen. Das Jubiläum sei insofern auch Abschied vom expliziten lutherischen Bekenntnis, wie Pfarrer Frieder Schmidt sagte. 

„Du bist angenommen“
Dekan Michael Gütgemann beglückwünschte die Gemeinde in seiner Festpredigt zu dieser langen reformatorischen Geschichte und erinnerte daran, wie viele Menschen in den zurückliegenden 500 Jahren in Spachbrücken gemeinsam ihren evangelischen Glauben gefeiert hätten. Die lutherische Prägung könne etwas sein, das Spachbrücken in die neue Kirchengemeinde Lichtenberger Land einbringe – nicht als Abgrenzung, sondern als eine Prägung, aus der die neue Gemeinde schöpfen könne. „Worauf vertraue ich?“ sei die zentrale Frage – und genau darin erkenne Martin Luther das Evangelium. „Das ist die befreiende Botschaft der Reformation: Ich muss mich vor Gott nicht selbst rechtfertigen. Ich muss ihm keine Bilanz vorlegen. Ich muss nicht beweisen, dass ich besser bin als andere. Ich darf mit leeren Händen kommen. Und Gott sagt: Du bist angenommen“, sagte Dekan Gütgemann. Und schlug den Bogen ins Heute: „Eine wichtige Frage für mich – wenn wir über die Zukunft der Kirche ringen – lautet: Bauen wir gerade Kirche – oder bauen wir Mauern?“ Die Kirche brauche Gebäude, aber das Gebäude sei nicht die Kirche, vielmehr seien das die Menschen, die sich von Christus rufen ließen, so Gütgemann. Die Feier des heutigen Jubiläums erinnere daran, dass Kirche sich immer wieder neu auf ihre Mitte ausrichten müsse, nicht auf sich selbst, sondern auf das Evangelium – damit sie beweglich bleibt.

Die Festpredigt zum Nachlesen

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde im Schatten der Bäume auf dem Pfarrberg gefeiert, mit kühlen Getränken, Gegrilltem und Kaffee und Kuchen. Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Spachbrücken spielte ein Platzkonzert, die Gemshornbläser traten in ihren historischen Gewändern auf. Zum krönenden Abschluss gab der „Guggug“ Jürgen Poth in seinem Programm „Wenn däs de Luther wüsst!“einen musikalisch-kabarettistischen Rückblick auf 500 Jahre Reformation in Spachbrücken.