Erlöse uns von dem Bösen

veröffentlicht 16.03.2026, Dekanat Vorderer Odenwald

Darf man für den Tod von Tyrannen beten? Darüber macht sich Ökumene-Pfarrerin Margit Binz Gedanken.

Angesichts der desolaten Situation in der Welt wird in ökumenischen Konferenzen mit Teilnehmern von Kirchen aus aller Welt immer gern auf das Gebet und seine heilende Kraft verwiesen. Besonders beliebt ist das Gebet für den Frieden. 

Es spricht ja viel für das Gebet. Beten konzentriert Gedanken, Wünsche und Gefühle. Wer betet, vertraut darauf, dass sie wertvoll sind und wenn schon nicht von Menschen, dann doch von Gott geachtet und gehört werden. Trotzdem kommt es mir oft zu einfach und ergeben vor, den Problemen der Welt nur mit Friedensgebeten entgegen zu treten. Und häufig lassen das Energielevel und die geistige Kraft dieser Gebete leider auch zu wünschen übrig. Also entfuhr es mir einmal: Können wir vielleicht mal für den Tod von Tyrannen beten? 

Das hob sofort die Laune und zu meiner Überraschung waren sich alle afrikanischen Teilnehmer einig und stimmten mir zu: „Now, thats a powerful prayer, sister… Also: Das ist ein kraftvolles Gebet. Und das tun wir, immer wenn wir das Vaterunser beten: Erlöse uns von dem Bösen.“ 

Daran musste ich jetzt denken, als die Nachricht vom Tod Khameneis und der obersten Führungsriege im Iran bekannt wurde: Da wurden mächtige Gebete erhört. Und die Leute im Iran, die „Frau-Leben-Freiheit“ gerufen hatten, deren Angehörige zu Zehntausenden ermordet wurden, jubelten und tanzten auf den Straßen in einigen Momenten der Freiheit. Erlöse uns von dem Bösen. Und wir dürfen alle hoffen und beten, dass es nicht nur bei einigen Momenten bleibt. Es besteht Hoffnung, dass es besser wird für die Menschen im Iran und für alle im Nahen Osten, wenn die Tyrannen des Mullah-Regimes endlich fallen. Das wäre gut.
Für manche wäre es nur schwer zu verdauen, wenn das durch Krieg, Raketenangriffe und durch zweifelhafte Akteure zustande kommen sollte. Und sicher ist es ja auch nicht, heißt es dann. Das stimmt. 

Aber was ist schon sicher? Sicher ist, dass dieser Krieg nicht erst jetzt angefangen hat. Sicher ist auch, dass diese Welt nie vollständig erlöst sein wird und dass wir diese Bitte immer brauchen: Erlöse uns von dem Bösen. Das ist tatsächlich eine mächtige Bitte, die nicht nur friedlich, sondern auch kämpferisch daherkommt. Im biblischen Denken ist das völlig klar. Vielleicht wäre es an der Zeit, das zu lernen.

Margit Binz, Pfarrerin für Ökumene, Evangelisches Dekanat Vorderer Odenwald