Ein Tag für die Liebe

veröffentlicht 29.06.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

Gottes Segen für ihre Liebe: Bei der Aktion #einfachheiraten haben sich am Samstag an und in der evangelischen Kirche Hering neun Paare trauen und segnen lassen. Für die Beteiligten war es eine gelungene Sache.

Am Holzzaun der Kirche hängen rundherum weiße Herzen. Die großen Bäume spenden Schatten, immer wieder weht ein Lüftchen. Kirchgarten und Heringer Kirche sind liebevoll geschmückt. Auf den Stehtischen stehen Knabbereien und kleine Blumensträuße. Im weißen Pavillon in einer schattigen Ecke des Kirchgartens werden gerade Gerd J. Grein (81) und Hubert Alles (83) gesegnet. Seit 58 Jahren sind die beiden zusammen, in Frankfurt haben sie sich kennengelernt, ihre Sammelleidenschaft habe sie immer verbunden, erzählen sie wenig später bei einem Glas Sekt und der „Hochzeitstorte“ – einem kunstvoll gestalteten Muffin. Er sei skeptisch gewesen, was die Evangelische Kirche sich da habe einfallen lassen, sagt Gerd Grein. Nach anfänglichem Zögern haben sich die beiden, die verheiratet sind, dann doch spontan entschieden, sich segnen zu lassen. „Ich habe meine Meinung revidiert, es ist eine wunderschöne Veranstaltung“, sagt Gerd Grein. „Wo man hingehört hat, ist Zuneigung gekommen.“ Und sein Partner Hubert Alles: „Ich werde nächstes Jahr 84, da kann man auch noch Liebe haben.“

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Mit Anmeldung oder spontan heiraten
#einfach heiraten, so nennt sich die bundesweite Aktion der Evangelischen Kirche, bei der Paare ihre Liebe, Partnerschaft oder Ehe in einem feierlichen und zugleich unkomplizierten Rahmen unter Gottes Segen stellen konnten. Höhepunkt war das Wochenende rund um den beliebten Hochzeitstermin 26.06.2026. Einige Paare hatten sich angemeldet, aber den ganzen Samstag über konnten Paare auch spontan in Otzberg-Hering vorbeikommen, um sich kirchlich trauen zu lassen oder um einen Segen zu empfangen. Ein rund 35-köpfiges Team hat den Tag vorbereitet. Neben den beiden Pfarrerinnen im Kirchspiel Otzberg waren Prädikantinnen, Kirchenmusiker und -musikerinnen, Gemeindepädagogin, Konfirmandinnen, Ehrenamtliche, Gemeindesekretärin und eine Fotografin mit von Partie. „Es war gar nicht so einfach, die Leute zu finden“, sagt Astrid Weigl vom Kirchenvorstand Hering-Hassenroth, denn: „Viele Talente werden gebraucht.“ Die weißen Stoff-Herzen am Zaun zum Beispiel hat der Kreativkreis genäht. Die Hochzeitstorten-Muffins hat eine Ehrenamtliche gebacken und verziert. Sie hat auch die stilvollen Karten gestaltet, die jedes Paar erhält.

Pia Baumann, Pfarrerin und Referentin für Gottesdienst am Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), hat die Aktion federführend koordiniert und war am Freitag und Samstag unterwegs, um verschiedene Orte zu besuchen – unter anderem Hering. „Alle machen es anders und alle machen es echt schön“, sagt sie. „Ich mag das Format, weil es eine Ergänzung ist zur klassischen Hochzeit.“ Ihr Eindruck: Vor allem Menschen 50plus nutzen das Angebot, oft mit persönlichen Geschichten im Hintergrund – wie Krankheit oder eine neue Beziehung nach Scheidung oder dem Tod des Partners.

Erinnerung an die kirchliche Trauung
Stefan Weiß (59) ist stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands Hering-Hassenroth. Er tritt an diesem Tag mit seiner Frau Ilona (60) vor den Altar. Die beiden sind seit fast 30 Jahren zusammen, haben aber erst im März standesamtlich geheiratet. Freunde und Familie sind gekommen. Nach der kurzen, sehr persönlichen Zeremonie geht das Paar durch eine Blumenspalier. Nach Sekt und Hochzeitstorte im Garten geht es weiter zur Feier im Gemeindehaus.

Hand in Hand kommen Vanessa (37) und Maik Perez Hernandez (45) aufs Kirchengelände geschlendert, begleitet von ihrem sechsjährigen Sohn und dessen zwei Freundinnen. Sie wohnen 200 Meter von der Kirche entfernt und wollen später noch aufs Feuerwehrfest, erzählen sie. Die beiden sind seit 2009 zusammen und haben vor acht Jahren geheiratet, auch kirchlich, hier in der Heringer Kirche. Warum sie hier sind? „Weil wir es in der Zeitung gelesen haben und die Idee richtig gut fanden“, sagt Maik Perez Hernandez. „Für mich bedeutet es auch, die Erinnerung an die Hochzeit wieder aufleben zu lassen“, ergänzt Vanessa Perez Hernandez. Im Vorgespräch mit Prädikantin Iris Zeuner, in dem sie von ihrem Kennenlernen erzählen und was ihre Liebe ausmacht, dürfen sie sich zwei Lieder aussuchen und einen Segensspruch. Dann zieht sich die Liturgin zurück, um die Segnung vorzubereiten. Wenig später ist es soweit, das Paar zieht mit den Kindern in die Kirche ein. „Dieser kleine Moment ist jetzt eure Zeit“, sagt Iris Zeuner. Nicht selten sind die kleinen Momente an diesem Tag heilige Momente – unverhofft, nicht planbar, berührend und voller Gefühl.

„Wir versuchen den Segen ins Zentrum zu stellen und als Kirche gastfreundlich zu sein“, sagt Pfarrerin Karin Schmid.  Die Kirche in Hering ist eine offene Kirche. Sie ist außerdem Licht- und Medienkirche, das heißt, Gäste können per Touchscreen Musik, Andachten, Bibeltexte oder Beleuchtung auswählen. Und sie ist Radwegekirche mit einer Akkuladestation für E-Bikes. Bei der Aktion #einfachheiraten wollte Pfarrerin Schmid unbedingt dabei sein: „Wir freuen uns, wenn wir die Liebe feiern dürfen und Gott spüren können.“ Das kommt an. Gerd J. Grein findet: „Segen kann man gar nicht genug haben.“