Ein Abschied mit viel Musik und Gesang

veröffentlicht 04.05.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

In der Michaelskirche in Reichelsheim schließt sich der Kreis: Hier war Joachim Meyer 1987 zum Pfarrer ordiniert worden, hier wurde der Dekan des Evangelisches Dekanats Vorderer Odenwald am Samstagabend (2. Mai) in den Ruhestand verabschiedet und von Propst Stephan Arras entpflichtet.

Als ihm klar geworden sei, dass der Gottesdienst am Vorabend des Sonntags Kantate („Singet!“) sein würde, war das Thema gesetzt, sagte der scheidende Dekan in seiner Predigt. Der Abschied sollte von Gesang geprägt sein. Denn: „Singen verbindet, das habe ich durch meine Eltern gelernt.“ Joachim Meyer war in einem 300-Seelen-Dorf im Westerwald aufgewachsen. Feuerwehr und Gesangverein waren die Orte der Gemeinschaft. Die Eltern sangen im gemischten Chor und nahmen den Jungen zu allen Singfesten mit, die bis an den Rhein und nach Südtirol führten. Als er in Reichelsheim seine erste Stelle als junger Pfarrer angetreten habe, so Meyer, sei die Gitarre genauso wichtig gewesen wie der Talar – er habe viel mit den Kindern im Religionsunterricht gesungen. Die alten Lieder im Gesangbuch seien auch wichtig und schön, „sie verbinden uns über die Jahrhunderte mit unseren Brüdern und Schwestern im Glauben“. Aber es brauche immer wieder neue Lieder, um das Staunen über die Wunder Gottes nicht zu verlernen.

Ein Mensch, der aus dem Glauben heraus lebt
Den Akt der Entpflichtung begann Propst Stephan Arras mit einem jiddischen Lied aus dem 19. Jahrhundert, das er auf dem Akkordeon spielte. In dieses Lied hätten die Menschen ihre Träume von einer besseren Welt gelegt, sagte er. „Halte deine Träume fest“, ein Liedtitel,  
sei ein Lebensmotto von Joachim Meyer. Ein wirkmächtiges. So habe er in seinem Dienst vielen geholfen, am Traum einer lebendigen Kirche festzuhalten und ihr Ausdruck zu verleihen. Seine Predigten seien inspirierend, seine Integrationskraft ermutigend gewesen, Er sei Neuem gegenüber aufgeschlossen und ein guter Seelsorger – ein Mensch, der aus dem Glauben heraus lebe. Joachim Meyer habe gefördert und ermöglicht und Freiräume gelassen. „Wir danken Dir für all Dein Tun!“

Joachim Meyers ehemaliger Lehrpfarrer Joachim Dietermann, Pfarrerin und stellvertretende Dekanin Evelyn Bachler, Gemeindepädagogin i.R. Karin Jablonski sowie sein langjährigster Freund, Pfarrer und Dekan i.R. Karl-Heinz Schell sprachen ihm ihren Segen zu – Letzterer auf Westerwälder Platt. In der proppenvollen Kirche applaudierten Familie, Freunde, Weggefährt*innen und Kolleg*innen.

Joachim Meyers Frau Andrea sang ein Duett mit Mechthild Kerz. Ein rund 60-köpfiger Projektchor hatte am Nachmittag mit den Liedermachern Eugen Eckert und Fabian Vogt sowie Dekanatskantor Matthias Ernst verschiedene Lieder für den Gottesdienst einstudiert. Die beiden Liedermacher hatten außerdem Impulse über den Zauber von Musik und die Freude durchs gemeinsame Singen gegeben.

Nach dem Gottesdienst nahm ein gemischter Posaunenchor mit munteren Weisen die Gäste in Empfang. Auf dem lauschigen Lindenplatz vor der Kirche ging das Fest bei wunderbarem Frühlingswetter, viel Gelächter und freudigen Gesprächen bis in die späten Abendstunden weiter.