„Auf die Arbeit im Dekanat freue ich mich sehr“, sagt der neue Dekan. Der Austausch, die Vernetzung, das gemeinsame Tun. „Mir ist es wichtig, mit anderen Menschen unterwegs zu sein.“ Sein bisheriger Eindruck: Im Dekanat Vorderer Odenwald herrsche „ein ähnlicher Spirit wie im Vogelsberg“. Vor seiner Wahl zum Dekan war Michael Gütgemann sechs Jahre lang Pfarrer in Wartenberg im Dekanat Vogelsberg und dort auch Mitglied im Dekanatssynodalvorstand, dem Leitungsgremium des Dekanats, wo er vor allem für die Gemeindeübergreifende Trägerschaft der Kindertagesstäten zuständig war und das Pilotprojekt „Verwaltungsleitung“ begleitete. In Wartenberg hat er mit seiner Frau Kerstin zusammengearbeitet, die auch Pfarrerin ist und nun in der Evangelischen Kirchengemeinde Lichtenberger Land angefangen hat.
Die ersten Tage am neuen Wirkungsort haben es in sich: Da ist die Freude auf das Neue und die damit einhergehende Spannung, da ist der Respekt vor der neuen Rolle, da ist noch ein bisschen Abschiedsschmerz. In Wartenberg kannte man sich. Hier ist erst einmal alles fremd. In Ueberau ist das Ehepaar Gütgemann inzwischen zu Hause – gemeinsam mit dem spanischen Wasserhund Honesto. Als Patchworkfamilie haben Gütgemanns außerdem zusammen drei erwachsene Kinder.
Berufliche Wechsel erweitern den Horizont
Er habe es bisher immer als belebend empfunden, in neuen Bereichen mit neuen Menschen anzufangen – als Horizonterweiterung, sagt der 60-Jährige. „Die Zukunft unserer Kirche ist mir sehr wichtig, ich möchte dazu beitragen, dass es eine gute Zukunft wird.“ Dass Kirche sich verändern muss, davon ist der neue Dekan überzeugt: „Wir brauchen diesen Veränderungsprozess.“ Es brauche neue Formate, die Menschen jeglichen Alters ermutigten, sich einzubringen und ihnen Raum ließen. „Es lohnt sich, neue Wege zu suchen, wie wir das Evangelium zu den Menschen bringen können.“ Als Gemeindepfarrer hatte er einen partizipativen Ansatz. Es gab Formate, die nur von Ehrenamtlichen gestaltet wurden. „Die Bühne gehört nicht nur den Pfarrpersonen und Hauptamtlichen“, ist Gütgemann überzeugt.
In Wartenberg hat Gütgemann gute Erfahrungen mit neuen Formaten gemacht. Dort gab es seit Corona mehr Präsenz in den Sozialen Medien. Von Jugendlichen angeregte Krimi-Gottesdienste entwickelten sich zu einem theaterpädagogischen Projekt mit theologischer Botschaft und sorgten für viel Begeisterung sowie ein großes Medienecho. Die Geschichten mit Ortsbezug hat die Gruppe selbst geschrieben. Der Country-Gottesdienst war eine Kooperation mit dem örtlichen Country-Verein und wurde mit Hufeisen-werfen, Goldschürfen und Barbecue in der Westernscheune gefeiert. „Das waren Gottesdienste, wie ich mir Gemeinde vorstelle – mit allen Generationen“, sagt Gütgemann. Als Dekan hat er nun eine andere Rolle. Da geht es nicht mehr darum, Gottesdienste aktiv zu gestalten, sondern zu lenken, zu leiten und zu ermutigen. „Freundlich und klar – das ist immer mein Anspruch.“
Die Berufung zum Lektor hat eine besondere Bedeutung
Michael Gütgemann ist in Kassel geboren und dort auch aufgewachsen. Er machte eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bei der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung in Kassel und seinen Zivildienst in einer ländlichen Kirchengemeinde. Anschließend besuchte er berufsbegleitend das Abendgymnasium, absolvierte ein Verwaltungsstudium und arbeitete mehrere Jahre in leitender Funktion bei der Innungskrankenkasse in Kassel. Von Jugend an war er ehrenamtlich in der evangelischen Kirche tätig – unter anderem als Kirchenvorsteher, Prädikant, Gemeindebriefredakteur und Vorsitzender des diakonischen Fördervereins und der Evangelischen Familienbildungsstätte.
Als er 1987 zum Lektor berufen wurde, war das für ihn ein wichtiger Schritt. Die Ernennungsurkunde habe bisher in jedem Büro gehangen, sagt Michael Gütgemann. „Der Glaube ist für mich die Kraftquelle, die mich durchs Leben trägt und die mich in großen Lebenskrisen hat spüren lassen, dass ich nicht alleine bin, dass ich getragen bin durch etwas, das größer ist als ich selbst.“ Jahre später entschied er sich, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und studierte evangelische Theologie in Marburg. 2012 wurde er in Kassel ordiniert. Das Vikariat, also die praktische Ausbildung zum Pfarrer, und die erste Pfarrstelle waren in Kassel. Dann wechselte er ins ländlich geprägte Hülsa (Homberg/Efze) und 2020 von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck nach Wartenberg in die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.
Das ländliche Leben, die Nähe zu Feld und Wald, schätzt Michael Gütgemann sehr. Der vordere Odenwald mit seinen abwechslungsreichen Orten gefällt ihm. Jetzt geht es daran, die Gemeinden und Verkündigungsteams und überhaupt Land und Leute kennenzulernen.
Pfarrer Michael Gütgemann wird am Freitag, 19. Juni, 17 Uhr, im Gottesdienst in der Stadtkirche Groß-Umstadt als Dekan offiziell eingeführt. Im Anschluss findet dort die Dekanatssynode statt; sie beginnt um 19.30 Uhr.