Dekan Gütgemann setzt auf die Kraft des Vertrauens

veröffentlicht 21.06.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

Jetzt ist er auch offiziell Dekan: In einem feierlichen Gottesdienst wurde Pfarrer Michael Gütgemann am Freitagabend als neuer Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald in der evangelischen Stadtkirche Groß-Umstadt eingeführt.

Ein besonderes Highlight war die Interpretation des Liedes „Land unter“ von Herbert Grönemeyer durch Kirchenmusiker Helge Metzner und einem Projektchor. Fast ohne Instrumente, mit einem Background-Chor und einem Text, der unter die Haut geht. Michael Gütgemann hatte es sich so gewünscht, direkt im Anschluss an seine Predigt. 

Für diese hatte er sich die Geschichte von der Sturmstillung Jesu ausgesucht: Die Jünger fahren zusammen mit Jesus auf den See Genezareth, ein tückischer See, kann das Wetter dort doch von jetzt auf gleich umschlagen. So passiert es dann auch. Während Jesus schläft, zieht ein heftiger Sturm auf. Die Jünger, allesamt erfahrene Fischer, haben Todesangst und wecken ihn. Jesus gebietet dem Sturm Einhalt und fragt: „Wo ist euer Glaube?“
 

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Gütgemann verknüpfte die biblische Geschichte mit der Situation von Kirche und Gesellschaft heute. Die Kirche habe er, seit er 1987 als Lektor eingeführt wurde, eigentlich nie anders als im Wandel erlebt. Die eigentliche Gegenkraft zu den Stürmen des Lebens sei dabei nicht Stärke, Macht oder Perfektion, sondern Vertrauen. Dieses Vertrauen gründe jedoch nicht zuerst in menschlichen Fähigkeiten, sondern in Jesus Christus, der auch in stürmischen Zeiten mit seiner Kirche unterwegs sei. Gerade dann, wenn Menschen den Eindruck hätten, den Kurs zu verlieren, gelte die Zusage des Evangeliums: Christus ist mit ihm Boot.

In Krisenzeiten sei Vertrauen besonders wichtig. Denn wo Vertrauen schwinde, wachse Misstrauen. „Darum möchte ich als Dekan gemeinsam mit Ihnen Farbe bekennen für eine Kirche, die Menschen vertraut statt sie zu verdächtigen, für eine Kirche, die Hoffnung weckt statt Untergangsszenarien zu verbreiten, für eine Kirche, die den Mut hat, neue Wege zu gehen; und für eine Kirche, die darauf vertraut, dass Jesus Christus auch heute noch mit ihr unterwegs ist.“

Einführung durch Propst Arras

Zuvor hatte Propst Stephan Arras ihn als Dekan eingeführt und wichtige Stationen seines beruflichen Weges benannt. Nach Ausbildungen und Studiengängen außerhalb der Kirche führte ihn sein Weg in das Theologiestudium nach Marburg. 2012 wurde er ordiniert. Anschließend war er in verschiedenen Gemeinden im Raum Kassel tätig, bevor er 2020 in die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau wechselte und Pfarrer in Wartenberg im Vogelsberg wurde.

Arras hob hervor, dass Gütgemann bereits über viele Jahre Verantwortung in unterschiedlichen kirchlichen Leitungsämtern übernommen habe – als Lektor, Prädikant, Kirchenvorsteher und Pfarrer. Im Vogelsberg engagierte er sich zudem auf Dekanatsebene. Seine Amtszeit als Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald läuft bis zum 31. Mai 2032.

Nach der Übergabe der Urkunde sprachen Propst Stephan Arras, die stellvertretende Dekanin Evelyn Bachler, Verwaltungsfachkraft Maren Dorschner, Präses Ulrike Laux und die Vogelsberger Dekanin Dorette Seibert ihm einem Segen zu. Die Gottesdienstgemeinde applaudierte kräftig – und Michael Gütgemann war als Dekan eingeführt. 

Der Odenwälder Dekan Carsten Stein und die Bergsträßer Dekanin Sonja Mattes überbrachten gute Wünsche, Groß-Umstadts Bürgermeister René Kirch sprach für die Bürgermeisterkolleg*innen und Frank Blumers, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist Otzberger Land, für die katholische Seite. Dekanatsjugendreferentin Manuela Bodensohn, Ole Görges, Tim Wendeberg und Malte Hofmann brachten für die Dekanatsjugend ihre Gedanken und ihr Willkommen in einem Poetry Slam zum Ausdruck. Der endete so: „Und wir wünschen uns, dass Gott in Ihnen wirkt. Und in uns. Damit aus Erwartungen Vertrauen wird. Und aus einem Anfang etwas richtig Gutes. Willkommen in unserem Dekanat.“

Nach einem munteren Empfang mit Sekt, Büffet und guten Gesprächen schloss sich die Dekanatssynode an.