„Beistand, das ist eine stille, persönliche Kraft, die mich stark macht und mir hilft, neue Wege selbst zu gehen“, sagt Joachim Meyer, Pfarrer und Dekan des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald in seiner Predigt. Und nennt verschiedene Beispiele: Da ist die junge Krankenschwester, die zum ersten Mal einem Frühchen eine Infusionsnadel setzt und eine erfahrene Schwester an ihrer Seite weiß. Da ist die Klassenlehrerin, die den jungen Menschen die Nachricht vom Tod eines Mitschülers überbringen muss und vom Pfarrer für Krisenseelsorge an Schulen begleitet wird. Beistand für die angehenden Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger sind die Patinnen und Paten, die in dem langen Ausbildungsprozess zur Seite stehen. Da sind schließlich die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger selbst, die in den ersten Stunden bei denjenigen sind, die den plötzlichen Todesfall, Suizid oder tödlichen Unfall eines nahen Menschen zu verkraften haben. „Der Erste, der Beistand geleistet hat, war Jesus“, sagt Dekan Meyer. Er sicherte seinen Jüngern zu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Insofern seien „Kirchen so etwas wie Beistandsinstitutionen“, denn Beistand gebe es an vielen Stellen in der Kirche.
Fünf neue Notfallseelsorgerinnen wurden im Gottesdienst am Mittwochabend (21. Januar) in der evangelischen Kirche Groß-Zimmern für ihren Dienst beauftragt: Martina Emmerich, Manuela Löbig, Marion Müller-Fries, Gabriele Rupp und Pia Staudt. Es ist dieser besondere Moment im Gottesdienst, wenn die Patinnen und Paten ihren Schützlingen die lila Notfallseelsorge-Jacke hinhalten, damit „die Neuen“ hineinschlüpfen können, sie von Dekan Joachim Meyer und seinem katholischen Kollegen Frank Blumers, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist Otzberger Land, je nach Konfession eine Urkunde von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) oder dem Bistum Mainz erhalten und Kreisbrandinspektor Matthias Maurer-Hardt ihnen ihre Ausweise übergibt. Vor allem dient der Gottesdienst auch dazu, ihnen einen Segen mitzugeben und sie in der Gemeinschaft zu verankern.
Dank an die Ehrenamtlichen
Julia Kratz, Koordinatorin für die südhessischen Notfallseelsorgesysteme, dankte den Ehrenamtlichen, dass sie Menschen in Situationen beistehen wollten, in denen die Worte fehlten. „Ihr haltet aus und habt in der langen Ausbildung gelernt, euren Stil zu finden und auch Stille auszuhalten.“
Waltraud Langer, Monika Stauder-Winter, Volker Letzas, Petra Landzettel und Lutz Rühl wurden für zehn Jahre Mitarbeit in der Notfallseelsorge und Sebastian Daniel für fünf Jahre von Pfarrer Michael Fornoff und Susanne Fitz geehrt. Sie verabschiedeten außerdem Margret Eckert und Kornelia Schuler, die viele Jahre in der Notfallseelsorge tätig waren. Für Susanne Fitz, katholische Beauftragte für Notfallseelsorge des Bistums Mainz, war es die letzte Beauftragung. Sie geht im August in den Ruhestand.
Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes hatten Dekanatskantor Ulrich Kuhn an der Orgel sowie Maria und Jens Wiegand an der Trompete.
Hintergrund
Die Notfallseelsorge Darmstadt-Dieburg ist ökumenisch ausgerichtet und beim Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald angesiedelt. Sie versteht sich als Erste Hilfe für die Seele, ist festes Glied in der Rettungskette und rund um die Uhr rufbereit. Die rund 30 Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge haben eine umfangreiche Ausbildung absolviert und stehen bei Notfällen zur psychosozialen Notfallversorgung zur Verfügung. Der nächste Ausbildungskurs beginnt im Frühjahr. Kontakt: Michael Fornoff, E-Mail: michael.fornoff@ekhn.de