Auf dem neuen Weg

veröffentlicht 19.01.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

Mit einem feierlichen Festgottesdienst ist die neue Evangelische Gesamtkirchengemeinde Babenhausen und Schaafheim am vergangenen Sonntag besiegelt worden. Die Kirche in der Region organisiert sich in größeren Einheiten.

Auf dem Platz vor der evangelischen Stadtkirche in Babenhausen ist einiges los. Während die Glocken läuten, sammeln sich die Kirchenvorstände aus Babenhausen und Harreshausen, aus Hergershausen und Sickenhofen, aus Schaafheim und Schlierbach, deren Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Dekan Joachim Meyer und Propst Stephan Arras. Wenige Minuten später ziehen sie in die Kirche ein, begleitet von den festlichen Klängen des Posaunenchors und den ermunternden Blicken der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher.

Es sind viele, die da gemeinsam in die Kirche laufen. Und es sind viele, die wenig später im Chorraum vor dem grün beleuchteten mittelalterlichen Flügelaltar im Kreis stehen und den Segen von Propst Arras und Dekan Meyer empfangen. Damit ist die Gesamtkirchengemeinde besiegelt. Ein besonderer Moment, denn er markiert den neuen Weg, den die sechs Kirchengemeinden nun als eine Gesamtkirchengemeinde Babenhausen und Schaafheim gemeinsam gehen.

„Gesamt, äh, was?“ Und: „Was ist, wenn es meiner Oma schlecht geht?“ Die Konfirmandinnen fragen, Pfarrer Ulrich Möbus und Pfarrerin Andrea Rudersdorf antworteten: Gesamtkirchengemeinde meint den Zusammenschluss der Kirchengemeinden von Babenhausen, Harreshausen, Hergershausen, Schaafheim, Schlierbach und Sickenhofen mit ihren Kirchen plus der in Mosbach. Und natürlich, die Seelsorge ist weiterhin ein wichtiges Feld, genauso wie die Gottesdienste an den unterschiedlichen Orten, Musik und das gesellschaftliche Engagement.

Das Verkündigungsteam, bestehend aus den Pfarrerinnen Elke Becker, Andrea Rudersdorf und Christiane Seresse und den Pfarrern Marcus David und Ulrich Möbus hat den Gottesdienst zusammen mit Ehrenamtlichen aus den Kirchenvorständen gestaltet. Musikalisch begleitete Alexander Kolb an der Orgel den Gottesdienst; außerdem wirkten mit der Posaunenchor unter der Leitung von Stephan Mahr, die Flötengruppe unter der Leitung von Walter Krautwurst und der Kirchenchor unter der Leitung von Dr. Ludwig Seel.

Der Glaube hat nichts mit der Organisationsform zu tun
Die Besucherinnen und Besucher der voll besetzten Kirche sind aufgefordert, ihre Gedanken zu den neuen kirchlichen Strukturen auf einen weißen Stein zu schreiben, um ein „kleines Denkmal zu bauen, das an diesen Anlass erinnert“, wie Pfarrerin Seresse es formuliert. Und: „Unser Glaube hängt nicht davon ab, wie wir uns organisieren.“

Dekan Joachim Meyer hat „Musketiere“ auf seinen Stein geschrieben. Denn der Leitspruch der Musketiere sei: einer für alle, alle für einen. Die Dialogpredigt mit Propst Stephan Arras ist eine Premiere, obwohl die beiden sich schon lange kennen. Der Propst hat „Gottes Licht leuchtet“ auf seinen Stein geschrieben, denn Gott stehe hinter allem. Arras hat einen Koffer mitgebracht, darin ein Kaleidoskop, in dem sich die Zukunft der Gesamtkirchengemeinde zeige. Er selbst hatte als Kind einmal ein solch‘ „wundersames Fernrohr“. Und weil er unbedingt wissen wollte, wie es funktioniert, habe er es auseinander genommen. Die Enttäuschung war groß: Er fand nur Scherben und das Fernrohr war kaputt. Der kirchliche Prozess bringe auch Abschied und Zerbrochenes mit sich, so Arras, am Ende aber werde etwas Neues entstehen.

Reinhard Rupprecht überbrachte im Namen der Stadt Babenhausen Glückwünsche, Präses Ulrike Laux für das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald, Julia Roth für die katholische Pfarrerei St. Christophorus Dieburger Land und Elke Heinlein für die gelebte Ökumene und die Emmaus-Gemeinde. Nach dem Gottesdienst wurde mit einem Gläschen Sekt und bei Kaffee und Kuchen noch weitergefeiert. 

Hintergrund: ekhn2030
Der Festgottesdienst ist der Auftakt für die sich verändernden Strukturen der evangelischen Kirche in der Region. Zum 1. Januar 2026 sind drei neue große Gemeinden im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald entstanden, darunter die Gesamtkirchengemeinde Babenhausen und Schaafheim; die letzten beiden neuen Gemeinden im Dekanat gehen 2027 an den Start. Mit dem Reformprozess „ekhn2030“ reagiert die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf Mitgliederschwund, geringere Einnahmen sowie Pfarrer*innenmangel und bündelt Ressourcen. Verwaltung und Digitalisierung, Gebäude, Rechtsformen und Verkündigungsteams sind die Kernthemen des Prozesses. 

Bei allem Mangel zeigte dieser vielfältige und fröhliche Gottesdienst aber auch: Gemeinsam können die Gemeinden mehr erreichen.