Amtsantritt mit Hindernissen

veröffentlicht 17.03.2026 von Silke Rummel, Dekanat Vorderer Odenwald

Dr. Alida C. Euler ist neue Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Dieburger Land. Der Amtsantritt hat sich verzögert: Infolge des Nahost-Krieges saß sie mit ihrer Familie in Doha fest.

Seit 1. März ist Dr. C. Alida Euler (38) mit halber Stelle Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Dieburger Land. Doch anstatt mit Gottesdiensten in Altheim und Harpertshausen loszulegen, saß sie mit ihrer Familie in Doha fest – infolge des Krieges in Nahost. Es hätte passieren können, dass Alida Euler es nicht rechtzeitig zu ihrer Ordination am 14. März schafft. Doch alles ging gut. Die Kirche in Altheim war bei der offiziellen Berufung von Alida Euler in den Pfarrdienst voll wie nie und hat nun ihre erste Pfarrerin.

Vor ihrem Einstieg ins Gemeindepfarramt war Alida Euler Anfang des Jahres fünf Wochen in Neuseeland unterwegs und danach drei Wochen mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester (32) auf einem besonderen Familienurlaub in Asien – es gab einiges zu feiern. Als die Familie nach einem kurzen Umstieg in Doha auf dem Heimflug nach Frankfurt war – Alida Euler arbeitete gerade an ihrer Ordinationspredigt zum Bibelwort „Zur Freiheit seid ihr berufen“ (Gal 5,13) – musste die Maschine umkehren und nach Doha zurückfliegen. Die Familie strandete zunächst mit vielen anderen am Flughafen und wurde viele Stunden später in ein Hotel evakuiert. Die Theologin konnte vom Fenster ihres Zimmers zwei Kriegsschiffe auf dem Persischen Golf sehen. Immer wieder waren Explosionsgeräusche und Alarm zu hören. Manche der Menschen im Hotel hatten so große Angst, dass die Hotelmitarbeitenden ihnen Betten in die Tiefgarage stellten. „Ich fand die Stille schwieriger“, sagt Alida Euler. Das Gefühl des Bewahrt-werdens gab ihr Kraft. „Glaube bedeutet für mich die Grundgelassenheit, dass Gott es gut mit uns meint und mit uns mitgeht“, sagt sie. „Ich habe oft das Gefühl, bevor es ganz schlimm wird, passiert etwas Gutes.“
Nach Rücksprache mit dem Management des Hotels bot sie Seelsorge an und war vor allem in den Hotelbereichen zugegen, in denen viele Menschen waren. „Die meisten waren froh, reden zu können“, sagt die Pfarrerin. Mit vielen sei sie immer noch im Kontakt. Reden baut Stress ab, das weiß sie aus ihrer Notfallseelsorge-Einheit in der praktischen Ausbildung für den Pfarrberuf, dem Vikariat. Wichtig sei auch, die Menschen zu ermächtigen, das zu tun, was sie tun können.

Fünf Tage warteten sie in Doha, dann versuchte die Familie über den Landweg nach Riad zu kommen und von dort nach Hause. Ihr Schwager in Deutschland hatte Lufthansa-Tickets und Visa besorgt. Es klappte – nicht reibungslos, aber sie erreichten den Flughafen in Riad. Noch nie sei sie so froh gewesen, eine Lufthansa-Maschine zu sehen, sagt Alida Euler. Jemand hatte außen mit einem Edding „Let’s take you home“ draufgeschrieben. Gänsehautmoment. „Ich komme mir vor wie in einem Abenteuerroman“, sagt Alida Euler. „Das war ein besonderer Dienstanfang.“

Zurück in heimische Gefilde
Die 38-Jährige ist in Groß-Umstadt aufgewachsen. Nach dem Abitur an der Edith-Stein-Schule in Darmstadt 2006 tourte sie als Rucksackreisende sieben Monate lang durch Neuseeland. Seitdem ist das Land ihr „Seligkeitsort“. Es ist vor allem die „unglaubliche Freundlichkeit“, die sie dort so schätzt. Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute.

Danach studierte Alida Euler evangelische Theologie und Volkswirtschaft in Heidelberg, Helsinki und Mainz und war acht Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Heidelberg tätig, wo sie Theologiestudierende unterrichtete, ihre Dissertation abschloss und eine Habilitation begann. Trotz wissenschaftlicher Laufbahn wollte sie auch ins Gemeindepfarramt. „Das Vikariat war für mich immer eine Frage des Wann, nie des Ob.“ Sie absolvierte es in der Paulusgemeinde in Darmstadt und machte anschließend noch ein Spezialvikariat in der Personalabteilung bei Merck. Dass sie so viel Freude im Gemeindepfarramt hat, damit habe sie nicht gerechnet. „Manchmal merkt man erst, dass einem etwas gefehlt hat, wenn man es auf einmal hat“, schmunzelt Alida Euler. In ihrer Freizeit macht sie Karate, joggt, fährt gerne Kajak und spielt mit großer Leidenschaft Saxofon.

Ihren Lebensmittelpunkt hat sie im frisch renovierten Pfarrhaus in Altheim. Ab April wird sie mit der anderen halben Stelle zwei Tage pro Woche an der Uni in Jena sein, um Studierende zu unterrichten und weiter an ihrer Habilitation über Besitzethik zu arbeiten. Die mit dem Reformprozess „ekhn2030“ einhergehende Arbeit im Verkündigungsteam ist für sie von Vorteil. Alles andere wird schon – mit einer guten Kommunikation und Struktur. „Es zieht sich zurecht“, davon ist Alida Euler überzeugt.